Glaube. Liebe. Hoffnung.

Glaube. Der Glaube als Bekenntnis zum dreieinigen Gott und zur Bibel ist das Fundament meines Seins. In einer Zeit, in der Freidenker und Glaubensweisen aus anderen Kulturen die christlichen Kirchen herausfordern, müssen wir uns auf unsere Wurzeln besinnen. Dabei soll die evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich eine persönliche Entwicklung des eigenen Glaubens ermöglichen: Vom unbewussten Urvertrauen bis zum individuell-reflektierenden Glauben. Als Mitarbeitende und Mitglieder geben wir mit unserem Glauben der Landeskirche ein Gesicht. Und im Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen zeigen wir im gemeinsamen Bekennen reformiertes Profil. Damit verhelfen wir auch der Gesellschaft zu einer Orientierung an christlichen Werten.

Liebe. Ich bin überzeugt, dass sie sich zuerst als Liebe zu allen Menschen und ihren ganz persönlichen Lebenswelten zeigen soll. Sie gilt auch Lebensweisen, die uns auf den ersten Blick fremd sind. Die Reformierte Landeskirche soll offen sein. Offen für berechtigte Bedürfnisse ihrer Mitglieder. Offen für vielfältige Zugänge zu christlichen Symbolen. Offen für eine christliche Spiritualität, die nach neuen Ausdruckformen sucht. Nur so hat die evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich eine Chance, ihren Auftrag als Volkskirche glaubwürdig zu erfüllen.

Hoffnung. Hoffen heisst: Aufbrechen statt aufgeben. Viele von uns sind besorgt über Prognosen wie die von Stolz/Ballif, dass die Reformierten Kirchen kleiner, älter und ärmer wird. Selbstverständlich müssen wir uns der Realität stellen: Zur Zeit nimmt die Mitgliederzahl ab und es steht uns jährlich weniger Geld zur Verfügung. Im Blick auf die Zukunft der Reformierten Landeskirche bedeutet Hoffnung, sich nicht von negativen Vorhersagen lähmen zu lassen. Im Gegenteil: Es geht darum, sich von der Vision der Verwirklichung des Reich Gottes leiten zu lassen. Mit selbstbewusstem Auftreten können wir uns als «die Reformierten» in der Gesellschaft profilieren.

Wir leben in einer individualistischen und pluralistischen Zeit. Jeder und jede soll auf eigene Weise glauben, lautet der aktuelle Megatrend. Die Migration bringt Menschen anderen Glaubens zu uns. Die Mediatisierung schreitet weiter voran. Heilsversprechen der Konsumwelt sind allgegenwärtig. Diesen Realitäten müssen wir uns stellen. Richten wir uns in allen Handlungsfeldern im Sinne des «Best Practice Modells» nach vorbildlichen Angeboten aus. Fördern wir durch Zusammenarbeit unter Kirchgemeinden und mit interessierten Partnern innovative Projekte, die nahe bei den Lebenswelten unserer Mitglieder sind.

In Artikel 1,1 der Kirchenordnung heisst es: «Kirche ist überall, wo Gottes Wort auf Grund der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes verkündigt und gehört wird.» Dies bedeutet für mich: Kirche ist nicht auf den Sonntag und das Kirchengebäude beschränkt. Die Reformierte Kirche soll auf die Menschen in ihren Lebenswelten zugehen und auf sie eingehen. Auch bei Gottesdiensten und insbesondere bei Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Gerade dort kommen Menschen mit ihren Sehnsüchten und Unsicherheiten auf uns zu. Auch Menschen, die sonst nicht in die Kirche kommen. Begleiten wir sie bei ihren lebensgeschichtlichen Übergängen mit Feiern, die alle Sinne ansprechen und Kraft schenken. Mit Predigten, die Mut und Zuversicht vermitteln. Mit populärer Musik, die berührt und bewegt. Mit Seelsorge und Sozialsorge, die nachhaltig helfen.

Noch sind wir stark genug, um die volkskirchliche Zukunft der Reformierten Kirche neu zu gestalten. Ich weiss, dass dies in Bezug auf liebgewordene Gewohnheiten klare, manchmal auch unangenehme Entscheidungen erfordert. Trotzen wir dem Trend, dass die Reformierten kleiner, älter und ärmer werden. Mit Glaube, Liebe und Hoffnung können wir grösser, jünger und reicher werden: Grösser nicht nur an Mitgliedern, sondern auch an Bedeutung für alle Menschen in unserer Gesellschaft. Jünger nicht nur an Altersklassen, sondern auch an Angeboten mit zeitgemässer Ausstrahlung. Reicher nicht nur an finanziellen Mitteln, sondern auch an Zeichen reformierter Glaubwürdigkeit.

Andrea Marco Bianca