andrea marco bianca
Eine interkantonale Initiativgruppe der Reformierten Kirchen der Schweiz hat im letzten Jahr unter Zürcher Federführung eine Diskussion zum Thema «Bekenntnis des Glaubens» lanciert. Eine schweizweite Vernehmlassung soll im neuen Jahr erste Ergebnisse liefern.
«Die gesamte reformierte Schweiz spricht erstmals über landesweit gemeinsame Bekenntnistexte. Dies ist ein Meilenstein für die Schweizer Reformierten Kirchen», kommentiert Thomas Wipf, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK, die Eröffnung zur Vernehmlassung im letzten Jahr. Das Ziel der Diskussion liegt darin, dass die reformierte Schweiz in einen Prozess zeitgenössischen Bekennens des gemeinsamen Glaubens eintritt. Dieses Ziel hat nicht zuletzt angesichts des wachsenden Einflusses anderer Religionen in unserer Gesellschaft seinen Sinn. Nach Innen wird das Gespräch über den Glauben gefördert, und nach Aussen wird deutlich gemacht, dass Reformierte im interreligiösen aber auch im interkonfessionellen Dialog ein klareres Profil haben wollen. Ob dieser offene Prozess allerdings mittelfristig auch zu einem neuen Bekenntnis und zu einer bekennenden Kirche führt, ist zur Zeit noch offen. Die Bekenntnisfreiheit ist seit rund 150 Jahren ein Kennzeichen der Zürcher Landeskirche: 1868 wurde der Zwang zu einem bestimmten Bekenntnis aufgehoben. Ein reformiertes Bekennen ist deshalb immer ein freiwilliger Akt des Einzelnen, und der formulierte Inhalt muss «endlich und verbesserlich» bleiben, wie auch die Initiativgruppe festhält. Der aktuelle Vorschlag für ein zeitgemässes Bekenntnis im Gottesdienst ist das sogenannte «Credo von Kappel»: «Ich vertraue Gott, der Liebe ist, Schöpfer des Himmels und der Erde. Ich glaube an Jesus, Gottes menschgewordenes Wort, Messias der Bedrängten und Unterdrückten, der das Reich Gottes verkündet hat und gekreuzigt wurde deswegen, ausgeliefert wie wir der Vernichtung, aber am dritten Tag auferstanden, um weiterzuwirken für unsere Befreiung, bis Gott alles in allem sein wird. Ich vertraue auf den heiligen Geist, der in uns lebt, uns bewegt, einander zu vergeben, uns zu Mitstreitern des Auferstandenen macht, zu Schwestern und Brüdern derer, die dürsten nach der Gerechtigkeit. Und ich glaube an die Gemeinschaft der weltweiten Kirche, an den Frieden auf Erden, an die Rettung der Toten und an die Vollendung des Lebens über unser Erkennen hinaus.»
Was macht man, wenn man sich so – öffentlich – zu seinem Glauben bekennt? Man legt sich in einer sprachlichen Handlung fest. Das Bekennen ist gewissermassen eine Sprachschule des Glaubens: Indem man verbindlich über den eigenen Glauben spricht, wird man sich manchmal überhaupt erst bewusst, was man eigentlich glaubt – aber auch, was man nicht oder nicht mehr glauben kann. Unter www.ref-credo.ch findet sich die Sammlung aller zur Diskussion stehenden Bekenntnisse. Eine aufmerksame Lektüre dieser Texte vermag dazu anzuleiten, den eigenen Glauben selber zu formulieren und dadurch neu zu entdecken.
Pfarrer Andrea Marco Bianca